HAZ 20.03.2007

Mit Klappstuhl, Thermoskanne und olympischem Geist

Wahnsinn: Nach rund einer halben Stunde sind alle Anmeldeformulare für das 5. Olympia-Camp vergeben.

Hildesheim (ari). Das gemütliche Sonnabendfrühstück ist an diesem Tag in vielen Familien gestrichen. Mütter, Väter und Großeltern machen sich stattdessen auf den Weg in die Stadt. Dort ist Anmeldetag für das 5. Hildesheimer Olympia Camp im Sommer. Kurz nach acht Uhr warten mehrere hundert Menschen vor dem Alten Theaterhaus im Hof der Ostertorpassage. Einige davon haben sich bereits um sechs Uhr angestellt. Sie machen sich das Warten mit Klapphockern und Campingstühlen angenehmer. Cornelia Schorn-Kessler hat auch gleich eine Thermoskanne mit Kaffee mitgebracht. Aus den Tiefen ihres Rucksackes zaubert sie ein komplettes Frühstück hervor: „Das macht die Warterei netter.“

Nett zu sein ist offenbar auch das Tagesmotto für alle anderen in der Warteschlange. Obwohl die Reihe einige Minuten vor neun bis hinaus auf die Osterstraße reicht, ist die Stimmung gut. „Ich finde es super, dass alle so diszipliniert sind“, sagt Claudia Leyder, Vorsitzende des Vereins Olympia 2004. „Ich hoffe, dass jeder einen Platz für seine Kinder bekommt.“ Dann geht sie zu den Eltern, unterhält sich mit vielen von ihnen.

So gut wie perfekt Mütter, Väter und Kinder sind auf das Camp gut zu sprechen. „Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten, die es gilt, zu verbessern. Ansonsten ist alles perfekt“, lobt Sabine Klötergens aus Hildesheim die Camp-Organisatoren. „Es wird von Jahr zu Jahr besser“, fügt Britta Jung hinzu. Ihre Kinder sind schon mehrfach im Camp gewesen und fühlen sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter sehr wohl.

Miriam und Esther Frost unterhalten ihren Vater, der tapfer mit ihnen in der Warteschlange ausharrt. Die beiden Schwestern wollen sich für das Handballtraining anmelden. Punkt neun werden die Türen des Alten Theaterhauses geöffnet. Für die Mitglieder des Organisationsteams gilt es jetzt, den Überblick zu bewahren und unzählige Fragen der Eltern zu beantworten. Wer seine „Hausaufgaben“ vorher gemacht hat, ist mit dem Anmeldeformular schnell fertig. Andere Eltern kramen die Handys heraus und versuchen, Ehepartner und Sprösslinge zu Hause zur Kooperation zu motivieren: „Sieh doch bitte mal in deinen Allergiepass. Wogegen bist du empfindlich?“ Oder: „Wann war die letzte Tetanusimpfung? Das muss im Impfausweis stehen.“

Siebenunddreißig Minuten nach Anmeldebeginn sind alle Formulare vergeben. „So ein Andrang zeigt den Bedarf an guter Kinderbetreuung in Hildesheim und Umgebung“, kommentiert Dr. Gudrun Schäfer aus Sarstedt den Zuspruch für das Olympia Camp. Auch die Gesichter der Eltern, die kein Anmeldebogen ergattert haben, verdüstern sich nicht. Es gibt ja die Warteliste.

„Lohnt sich das Warten denn?“, fragen die Letzten in der Reihe. Claudia Leyder gesellt sich für ein paar Minuten zu ihnen. „Unbedingt. Jeder, der hier steht, kann sich in die Warteliste eintragen. Wir wollen so den eigentlichen Bedarf ermitteln, um zu überlegen, wie viele Kinder wir noch zusätzlich in den einzelnen Sportarten unterbringen können.“ Bis zum Anmeldeschluss am Mittag stehen 238 Kinder auf der Warteliste. Die Organisatoren bedanken sich bei allen Eltern für die gute Stimmung, die Disziplin und Fairness untereinander – eben für den wahren olympischen Geist.

Bericht aus der „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“

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